Emil Nolde - Die Menschen sind meine Bilder
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Das Gemälde "Mohn" aus dem Jahre 1950
(© picture-alliance / dpa)
Emil Nolde war einer der bedeutendsten Expressionisten und ist einer der bekanntesten Maler und Graphiker des 20.Jahrhundert. Er bewies nicht nur durch die Anwendung von verschiedenen Techniken seine Vielseitigkeit, sondern auch durch seine Motivwahl, denn seine Werke zeigen christliche Motive, Personendarstellungen sowie expressionistische Landschaftsporträts und Blumenbilder. Durch seine einzigartige Farbwahl verstand er es Bildern ein besonderes Element beizufügen und speziell die Farbgebung in den Mittelpunkt zu rücken. So vielfältig seine Kunst, so ereignisreich war auch sein Leben.
Emil Hansen wurde am 7. August 1867 in Nolde im deutsch-dänischen Grenzland geboren und besuchte von 1884 bis 1888 die Kunstgewerbeschule in Flensburg, wo er eine Ausbildung zum Holzschnitzer und Zeichner absolvierte. Danach verbrachte er seine Wanderjahre in Möbelfabriken in München, Berlin und Karlsruhe, nebenher besuchte er Kurse an Kunstgewerbeschulen um sich weiterzubilden. Seine Naturverbundenheit kam besonders in seiner Leidenschaft für das Bergsteigen und Wandern zum Ausdruck, sodass er mit Freude 1892 eine Stelle als Lehrer für gewerbliches Zeichnen in St. Gallen annahm. Dort erstellte er ab 1894 viele Landschaftsaquarelle, von welchen er 30 Werke, die personifizierte Berge zeigen, auswählte und als Postkartenserie drucken ließ. Dadurch ermöglichte er es sich als freischaffender Künstler zu arbeiten.
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Das Aquarell "Alter Bärengeist über schlafendem König" von Emil Nolde
(© picture-alliancee / JTimage)
Nachdem er 1898 von der Kunstakademie in München abgelehnt wurde, folgten Studienaufenthalte in Flensburg, Dachau, Paris und Kopenhagen. 1902 änderte er schließlich seinen Namen in Emil Nolde und heiratete im gleichen Jahr die dänische Schauspielerin Ada Vilstrup mit der er auf die Insel Alsen zog. Die Wintermonate verbrachten sie in Berlin, sodass viele Werke aus dieser Zeit das Berliner Nachtleben zeigen, außerdem fertigte er Theaterzeichnungen und Maskenbilder an. Ab 1905 entwickelte sich Nolde weg vom romantischen Naturalismus und findet zu seinem eigenen Stil, bei dem die Aussagekraft der Farbe im Mittelpunkt steht. Weiteren Einfluss auf sein Schaffen hat seine Mitgliedschaft in der Künstlergruppe „Brücke“, jedoch merkt er bald, dass die Unterschiede zwischen ihm und den anderen Mitgliedern zu groß sind.
Als große Inspiration dienten auch Noldes Reisen. Von besonderer Wichtigkeit für seine künstlerische Entwicklung ist die Südseereise 1913/14, bei der er die „medizinisch-demographische Deutsch-Neuguinea-Expedition“ des Reichskolonialamtes nach Moskau, Sibirien, Korea, Japan und China begleitet. Noldes Werke aus der Zeit nach der Reise belegen, wie sehr ihn das Kennenlernen außereuropäischer Kulturen bewegte und seine Kunst voran brachte.
In den folgenden Jahren feierte er große nationale und internationale Ausstellungserfolge.
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Reproduktion des Gemäldes "Im Alter" von Emil Nolde. Das Bildnis eines alten Mannes mit weißem Bart schuf Nolde in seiner produktivsten Phase im Jahr 1918.
(© picture-alliance / dpa)
1927 zogen die Eheleute nach Seebüll, wo Nolde Haus, Atelier und Garten nach eigenen Plänen baute. Widersprüchlich ist Noldes Verhältnis zum Nationalsozialismus, denn er konnte nicht verstehen, dass die Nationalsozialisten seine Kunst für „entartet“ hielten und sein Werk „Leben Christi“ in den Vordergrund der Ausstellung „Entartete Kunst“ (1937) stellten, sowie 1052 seiner Bilder beschlagnahmten oder vernichteten. 1941 wurde ihm schließlich Malverbot erteilt, weswegen er sich nach Seebüll zurückzog und heimlich 1300 kleinformatige verträumte Aquarelle, die „Ungemalten Bilder“, malte, die er später in Porträts umsetzte. Trotz Gestapoüberwachung schaffte er es das Gemälde „Großer Mohn (rot, rot, rot)“ und weitere Ölbilder zu malen.
Nach Kriegsende wurde Nolde Professor, zeigte seine Werke wieder auf zahlreichen Ausstellungen und erhielt viele Auszeichnungen, zum Beispiel die „Stefan-Lochner-Medaille der Stadt Köln“ (1949), den „Biennale-Preis für das graphische Werk (1950), den „Kulturpreis der Stadt Kiel“ (1952) und die „Verleihung der Friedensklasse des Ordens Pour le mérite“(1952).
Bevor seine Frau Ada 1946 starb, verfassten sie zusammen ein Testament, das die Grundlage für die Entstehung der Stiftung „Emil und Ada Nolde Stiftung Seebüll“ darstellte. Emil Nolde malte noch bis zum seinem Tod am 13. April 1956 farbenprächtige Aquarelle mit Blumen- und Landschaftsmotiven in seiner Heimat, die gleichzeitig seine wichtigste Inspirationsquelle zeitlebens war.
Heute kann man die „Emil und Ada Nolde Stiftung Seebüll“, die ihren Sitz in Noldes ehemaligem Wohnhaus hat, besuchen und sich so einen Eindruck von Noldes Werk machen. Aber auch die Dependance der Nolde Stiftung Seebüll in Berlin zeigt Ausstellungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Außerdem kann man noch bis zum 25. Oktober im Kupferstichkabinett Lithografien, Radierungen und Aquarelle zum Thema „Emil Nolde. Mensch - Natur - Mythos“ sehen und so einen faszinierenden Einblick in Noldes Werk bekommen.